Ausprobiert: STRYD Wind Leistungsmesser im Test

Die Trainingssteuerung über den Wattwert ist bei Rennradfahrern schon gang und gäbe und findet nun auch langsam den Einzug im Laufsport.

Einige größere Anbieter, wie z.B. Polar & Garmin, haben die Leistungsmessung in Watt in ihre neusten Laufuhren integriert. Jedoch basieren diese Werte dann meist auf Berechnung über GPS, Höhenmeter, etc. und sind nicht ganz so genau.

Anbieter wie STRYD sind hier schon ein wenig weiter und ermitteln den Wattwert mittels eines sogenannten Footpod.

Ich war neugierig auf die Resultate des Footpods und habe mir nach kurzer Überlegungszeit den STRYD Wind Sensor, zur Leistungsmessung beim Laufen, bestellt. Welchen ich im folgenden Beitrag euch jetzt vorstellen werde.

Falls dir mein Erfahrungsbericht gefällt, so freue ich mich über einen Kommentar oder ein Gefällt mir auf meiner Facebook Seite.

Watt bringt’s ?

Kurz und knapp hat die Wattmessung einige Vorteile gegenüber den herkömmlichen Berechnungen der Belastungsintensität durch Herzfrequenz und GPS. Je nach Bedingungen (z.B. Gegenwind oder Anstieg) ist eine höhere Belastung erforderlich um z.B. eine anvisierte Pace zu halten. An dieser Stelle kommt die Wattmessung ins Spiel, da hier die äußeren Faktoren keine große Rolle mehr spielen.

Wattmessung ist ein eigenes Thema für sich und wer mehr über die Welt der Wattmessung erfahren möchte, dem lege ich das Buch „Das Geheimnis des Laufens: Trainingsdaten nutzen – Topleistungen erzielen – mit moderner Wattmessung“ von Hans van Dijk und Ron van Megen ans Herz.

STRYD Lieferumfang

Der STRYD Sensor wird in einem kleinen Karton geliefert, in welchem sich wiederum die Verpackung des STRYDs befindet.

Neben dem STRYD befindet sich ein Ladekabel, eine Ladeklemme, zwei Befestigungsklemmen sowie eine Kurzanleitung in der Verpackung.

Initiale Einrichtung des STRYD

Die Einrichtung des STRYD setzt einige Schritte voraus und nimmt, trotz guter Anleitung auf der Herstellerseite, aus meiner Sicht etwas Zeit in Anspruch.

Schritt 1: Auspacken, laden & mit dem Smartphone verbinden

Vor der ersten Nutzung muss der STRYD zunächst geladen werden. Parallel kann schon die App (iOS oder Android) heruntergeladen und ein eigener User Account erstellt werden.

Für die Accounterstellung sind die Angaben, wie Größe und Gewicht, erforderlich. Nachdem ein Account eingerichtet ist, kann der STRYD auch direkt mittels Bluetooth mit der STRYD App verbunden werden.

Schritt 2: Sensor mit der Laufuhr verbinden

Der STRYD ist mit vielen Laufuhren kompatibel und für jedes Modell gibt es eine eigene Anleitung zur Kopplung auf der Herstellerseite. Für z.B. Uhren von Garmin wird der Sensor als externer Leistungsmesser, über die Einstellungen, hinzugefügt.

Damit die Daten auch während des Laufens bzw. danach auch im STRYD Powercenter angezeigt werden, muss noch die entsprechende Garmin IQ App aus dem Garmin App Store geladen werden.

Zum Glück ist dieser Schritt mittlerweile über die Garmin Smartphone App ohne große Probleme möglich. Wichtig ist dabei auch, dass die STRYD Daten noch in den Einstellungen der IQ App hinterlegt werden.

Damit die STRYD Daten während des Laufens auch angezeigt werden, müssen die Datenfelder für die Laufaktivitäten noch über die Einstellung der Laufuhr konfiguriert werden.

Schritt 3: PowerCenter mit anderen Apps verbinden

Die Verbindung des PowerCenters mit Garmin, Trainingspeaks und/oder Strava ist nicht zwingend erforderlich. Wer jedoch die Daten etwas genauer analysieren möchte, sollte diesen Schritt auch noch vornehmen. Hierfür die Einstellungen im Powercenter aufrufen und die entsprechend gewünschten Apps auswählen.

Handling am Schuh und im Training

Der Sensor lässt sich mittels einfachem Klick-Clip direkt an der Schnürung des Schuh befestigen. Das Handling ist super einfach und hier gibt es auch nichts auszusetzen.

Da der STRYD Sensor bereits initial von mir mit meiner Garmin Uhr eingerichtet wurde, gibt es vor dem Laufen nichts weiter zu tun.

Die Daten sind während des Laufens auf der Uhr sichtbar und direkt danach in dem STRYD Power Center, bei Garmin Connect, und den entsprechend ausgewählten Apps (bei mir: Trainingspeaks & Strava) verfügbar.

Auswertung im PowerCenter

Im STRYD PowerCenter werden sämtliche Daten (Power, GPS, Puls,…) kombiniert und lassen sich über die Weboberfläche bzw. der Smartphone App auswerten.

Es werden viele verschiedene Werte erhoben, wobei für mich persönlich die interessantesten Werte die AirPower und die Running Stress Balance (RSB) sind.

Airpower: Gegen- & Rückenwind

Die AirPower ermittelt die aktuelle Windgeschwindigkeit. Das kann sowohl der Gegen- als auch der Rückenwind sein.

Die oben stehende Grafik zeigt ein Teil von meinem Intervalltraining. Die ersten 200m wurden gegen den Wind gelaufen. Für eine Pace von 3:51 /km war eine Leistung von 491 Watt erforderlich. Die zweiten 200m wurden mit dem Wind gelaufen. Hier wurde mit einer geringeren Leistung von 423 Watt eine mit 3:06 /km deutlich schnellere Pace erzielt.

Wird nun nur die Pace betrachtet, so sieht die 3:51 /km deutlich „schlechter“ aus. Erst die Leistung in Watt zeigt, dass hier wesentlich mehr geleistet wurde und der zweite Intervall am Ende der vermeintlich „schlechtere“ war.

An dieser Stelle wäre ein Training nach Watt statt Pace also ggf. effektiver gewesen.

Running Stress Balance (RSB)

Die Running Stress Balance ist vergleichbar mit dem Training Stress Score (TSS), die ggf. einige Athleten schon aus anderen Systemen kennen. Der RSB wird anhand der Trainingsbelastung der letzten 42 Tage, sowie der letzten 7 Tage ermittelt. Der Score gibt einem die Auskunft über die aktuelle Trainingsbelastung und wie effektiv diese ist.

Gerade zu Beginn ist der eigene RSB eher mit Vorsicht zu genießen, denn für eine aussagekräftige Berechnung müssen ausreichend Daten im PowerCenter verfügbar sein. Ansonsten wird der eigene RSB zunächst relativ tief im Minus, und damit die Trainingswoche als „uneffektiv“ markiert, sein.

Fazit

Selten ist mir ein Fazit so schwer gefallen, wie für den STRYD Leistungsmesser. Zunächst einmal war es für mich wichtig, mich über ein paar Grundlagen zu den Themen Wattmessung und der Trainingssteuerung zu informieren.

Nachdem ich die ganze Materie verstanden hatte, konnte ich den STRYD und somit die Wattwerte deutlich effizienter einsetzen. Statt ausschließlich nach einer Pace zu trainieren, trainiere ich nun auch nach Wattwerten.

Das oben gezeigte Beispiel, mit der Airpower, zeigt finde ich schön die Unterschiede auf. Habe ich mein Training anhand einer Pace geführt, war ich z.B. bei Gegenwind ziemlich schnell außerhalb meines gwünschten Trainingsbereichs. Ich musste deutlich mehr Kraft aufwenden und die gewünschte Pace wurde von mir nicht annährend erreicht.

In meinen Trainingseinheiten laufe ich jetzt nur noch nach Wattwerten und habe dadurch eine für mich effizientere Trainingssteuerung erreicht.

Mit einem Preis von 230€ liegt der STRYD Sensor aus meiner Sicht in einem hohem Preissegment. Für weniger ambitionierte Athleten ist das Training nach Pace und Herzfrequenz aus meiner Sicht völlig ausreichend und man kann sich das Geld sparen.

Nach anfänglicher Skepsis bin ich sehr zufrieden mit dem STRYD Leistungsmesser und kann eine absolute Kaufempfehlung zur Optimierung des eigenen Trainings aussprechen.

Bitte bedenke, dass du auf jeden Fall ein gewisses Interesse daran haben solltest, dich mit der Materie auseinanderzusetzen, denn ansonsten ist es schwierig die einzelnen Werte auszuwerten und in einen Zusammenhang zu bringen. Der STRYD wird dir anderenfalls vermutlich keine wirklichen Vorteile bringen.

Ich hoffe, dass mein Testbericht euch weiterhelfen konnte. Falls ihr noch Fragen oder Anmerkungen habt, nutzt gerne die Kommentarfunktion.

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Frank
Frank
1 Monat zuvor

Hallo Benjamin,

der Stryd wird – das ist mir aufgefallen – über halbgare Argumente verkauft. Eines davon hast Du gerade genannt. Die „Verzögerung“ ist an den Haaren herbeigezogen und trifft da auf offene Ohren, wo Leute nicht wissen, wie man trainiert. *hüstel*
Es liest ja heutzutage auch kaum noch jemand ein Buch. (Aber das ist wieder eine andere Geschichte…)
Mal abgesehen davon, dass auch ein Stryd nur eine annähernde Wattmessung bieten kann (reale Werte bekommt man im Labor bzw. mithilfe von geeichten Geräten), braucht man ihn wirklich nicht, wenn man weiß, was man tut.

Intervalle läuft man nach Tempo – das ist logisch, wenn man weiß, was Intervalltraining ist.
Ein Intervalltraining nach HF zu laufen wäre gaga.
Natürlich sollte man die HF beim Laufen beobachten – sozusagen als Rückversicherung. Jeder Tag ist nämlich anders – und manchmal ist die HF einfach ZU hoch und dann sagt man sich: „Ooops, was ist denn das? Das ist ja schon sehr ungewöhnlich. Da gehe ich mit dem Tempo mal runter, denn die HF ist einfach unangemessen und weist auf eine Form hin, die besonders für DIESE Belastung nicht gut ist.“

Jeder seriöse Sportler kennt seine Tempi in den individuellen Trainingszonen. Die HF ist hier also immer eine Bezugsgröße. Beide Werte treten immer in einer Abhängigkeit auf (ziemlich logisch).

Ja, es gibt viele Menschen, die Wettkampf laufen, aber gar nicht wissen, wie das geht.
Auch im Wettkampf läuft man natürlich nach Tempo. Und zwar gleichmäßig von Anfang an. Es sei denn, man läuft mit „negative splits“.
Die HF ist im Wettkampf ebenfalls immer „nur“ der „Sicherheitsbereich“: Sie hat eine Kontroll- und Warnfunktion.
Also auch im Wettkampf ist ein Stryd sinnfrei, es sei denn, man nutzt dessen Optionen noch anders. Was ja viele nicht wissen: Der Stryd kann weitaus wichtigere Dinge messen als eine Leistung. Das merken aber nur Sportler, die sich richtig mit ihrem Sport befassen. 😉
Ich hatte mir den Stryd mal gekauft, um damit meine *BKZ zu überprüfen (*Bodenkontaktzeit. Außerdem interessierte ich mich für weitere Messwerte, den Laufstil betreffend.)
Auch ich besitze den Stryd nicht mehr, da die Lauf-Werte immer an falschen Tagen und zu falschen Uhrzeiten abgelegt wurden. Zudem unterstützt der Stryd nicht die Polar-Sportuhren. Zumindest nicht die Vantage V.

Sportliche Grüße
Frank

Frank
Frank
1 Monat zuvor

Hallo Benjamin,

danke für den ausführlichen Test!

Du schreibst:

(Zitat) „Das oben gezeigte Beispiel, mit der Airpower, zeigt finde ich schön die Unterschiede auf. Habe ich mein Training anhand einer Pace geführt, war ich z.B. bei Gegenwind ziemlich schnell außerhalb meines gwünschten Trainingsbereichs. Ich musste deutlich mehr Kraft aufwenden und die gewünschte Pace wurde von mir nicht annährend erreicht.“

Das Training in einer bestimmten Geschwindigkeit (auch als „Pace“ bezeichnet) ist immer an eine Herzfrequenz gekoppelt, das heißt, die zugehörige Trainingszone, in der man sich gerade befindet, wird durch diese beiden elementaren Werte beschrieben.

Wenn ich gegen den Wind laufe, erkenne ich das an meiner Herzfrequenz, die innerhalb der zugehörigen Trainingszone ungewöhnlich ansteigt (Logisch, eine erhöhte Anstrengung zeigt sich an einer angestiegenen HF.) . Wozu benötigt man einen Stryd, um die Kontrolle über die momentane Trainingsbelastung zu haben, wenn die Sportuhr schon alles genau anzeigt?

Sportliche Grüße vom Marathonläufer!

Benjamin

Moin aus Hamburg. Ich bin Benjamin und schreibe auf Laufmix seit 2014 über die Themen Laufen, Triathlon, Gadgets und Reisen. Außerdem zu finden auf Instagram, Facebook und Twitter. Paypal-Kaffeespende.

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